Aus-/Weiterbildung

Gastrogrundkurse / Workshops für Asylsuchende Jugendliche 
Ein Bericht zu der Tätigkeit, die wir im Auftrag von dem Verein Tipiti ausführen.

Kochen integriert

1. Teil. 5. Dez. 2017

Die von Pfefferbeere erzählten Foodstories sind mal üppig, edel, prachtvoll und golden, mal sind sie schlicht, einfach und sparsam. Im Blickpunkt der Geschichten stehen nicht Naturalien, sondern Menschen. Menschen die ein Fest feiern, Menschen die einen Workshop geniessen oder Menschen die einen Kochkurs besuchen. Menschen die freudig und lustig festen oder Menschen denen erst wieder geholfen werden muss um Lachen zu können und fröhlich zu sein. Hier wollen wir wöchentlich über das Abenteuer eines Kurses berichten, in dessen Rahmen die Teilnehmer auf eine Tätigkeit als Küchenhilfe vorbereitet werden. Es soll ihnen geholfen werden, sich im Umfeld einer Küche schnell zurecht zu finden. Sie sollen die Begriffe sowie die hektischen Situationen beim Kochen kennenlernen. Und wer weiss, vielleicht gelingt es dem einen oder anderen sich im kommenden Jahr chancenreich um eine Lehrstelle in Küchen- und Servicebereich zu bewerben? Sie sollen darüber hinaus unsere Kultur kennen und verstehen lernen und wir möchten auch verstehen wer sie sind. Wie das mit Abenteuern so ist: Der Inhalt dieses Albums wird inhalts- und ergebnisoffen sein. Immer wollen wir authentisch über Höhen und Tiefen berichten. Wir wollen sowohl über das gemeinsame Lernen im Kurs als auch über das Leben der Kursteilnehmer berichten. Nie wollen wir voyeuristisch sein.
Bei den Kursteilnehmern handelt es sich um sechs Asylsuchende. Veranstaltet wird dieser Kurs vom Verein Tipiti, Sektion AR, einem gemeinnützigen Verein der sich u.a. um asylsuchende Jugendliche kümmert. Durchgeführt wird der Kurs von Pfefferbeere in Person von Gallus Knechtle. Drei Mal in der Woche wird gemeinsam gekocht und gelernt. Insgesamt über 45 Kurstage.
Begonnen hat alles mit Vorbereitungen. Was sonst? Wir haben Räumlichkeiten vorgefunden, die nicht fürs Kochen geschaffen wurden. Vielleicht eignen sie sich deshalb gerade für ein gemeinsames Arbeiten und Lernen. Schon vor dem Kurs, an einem „freien“ Wochenende, wurde engagiert die Küche hergerichtet, eine Wand geplättet, geputzt und gereinigt sowie die mobile Pfefferbeere Küche aufgebaut. Und dann konnte es mit dem Kurs losgehen. 

 

2. Teil / 14. Dez. 17

Lernen durch tatkräftiges Handeln ist das grundlegende pädagogische Konzept dieses Kurses. Dadurch vermitteln wir nicht nur fachliche, sondern auch soziale und kulturelle Lerninhalte. Abgesehen davon erarbeiten sich die Teilnehmer während der gemeinsamen Arbeit wichtige kognitive Fähigkeiten, wie z.B. Planen, Organisieren oder Kommunizieren innerhalb und ausserhalb der Gruppe. Vergessen wir nicht, unser „internationales Kochteam“ hat völlig unterschiedliche Erlebnishintergründe.
Einer der „Schüler“ ist Sami. Er wurde 1996 in Kassala im Sudan geboren. Kassala liegt am Fusse der Taka Berge rund 400 Kilometer von der Hauptstadt Khartum entfernt, im Osten des Sudans, an der Grenze zu Eritrea. Kassala hat etwa 500 000 Einwohner, die sich aus einer hohen Zahl unterschiedlicher Ethnien zusammensetzt. Die Höchsttemperatur liegt zwischen April und Juli bei über 40 Grad und in der Nacht gehen die Temperaturen kaum unter 30 Grad. Die Niederschlagsmenge ist im gleichen Zeitraum gleich Null! Nach politischen Unruhen verliess Sami 2002 mit seiner Familie den Sudan. Man ging über die Grenze ins nahe Eritrea. 2010 kehrte Sami alleine in den Sudan und zwar in die Hauptstadt Khartoum zurück. Khartoum hat etwa 3 Millionen Einwohner. Nimmt man die Agglomeration hinzu, dann sind es etwa 10 Millionen. Khartoum ist die drittgrösste Agglomeration in ganz Afrika. Sami musste sich selbst durchschlagen und möglichst auch noch einen Teil seiner Einnahmen zur Unterstützung seiner Familie weitergeben. Sami arbeitete auf dem Bau, in kleinen ortsüblichen „Restaurants“, als mobiler Kuchen- und Eisverkäufer oder als Fahrer einer kleinen Autorikscha. Nachts mietete er sich in wechselnden „Wohngemeinschaften“ für einen Schlafplatz ein. Vier Personen teilten sich einen kleinen Raum. In der Regel bestand eine Wohnung aus 3 Zimmern, also 12 Personen in einer „3-Zimmer-Wohnung“. 1 Lavabo, 1 WC. Trotz des harten Überlebenskampfs fühlte sich Sami in Khartoum wohl, bis es auch dort zu Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen kam. Sami ist seit 2014 in der Schweiz.
Kommen wir zum Learning by doing zurück. Zunächst wurde italienisch gekocht. Nudeln mit verschiedenen Saucen. Warum? Das schmeckte allen und war einfach zu machen. Dann erweiterten wir das Angebot aus der „Kohlenhydratküche“ um Chäsknöpfli. Mittlerweile sind wir weiter fortgeschritten. Dazu mehr beim nächsten 3. Teil. – nächste Woche.